Der Blick auf die Wetterkarten war am heutigen Samstag zunächst etwas ernüchternd. Zwar waren wir perfekt im Südwesten von South Dakota positioniert, in einer super Luftmasse, auf der Tiefvorderseite etc. Doch stellte sich schnell heraus, dass der Deckel tagsüber zu stark für Gewitter bleiben sollte. Es war also lange Zeit zu stabil. Bis die Kaltfront kam…
Und so nutzen wir den Tag erst einmal so, wie es jeder normale Mensch im Urlaub bei schönem Wetter macht. Wir besuchten den Badlands National Park wenig südlich unseres letzten Motels und fuhren weiter in ein Indianer-Reservat, wo wir ein wenig über deren Kultur und Perspektiven erfahren durften.
Bei 34 Grad bildeten sich schließlich erste größere Quellwolken am südlichen Horizont, sie schafften es jedoch nicht, sich zu Gewittern auszuwachsen und verpufften ebenso schnell wieder, wie sie gekommen waren. Das Himmelsbild war also weiterhin recht ernüchternd und es wurde später und später. An einer Tankstelle nahe der Interstate (Autobahn) hieß es geduldig sein, vor der Kaltfront sollte heute nichts mehr passieren. Letztere machte sich gegen 19:30 Uhr Ortszeit am westlichen Horizont bemerkbar. Das war für uns der Startschuss, denn auf ihrem Weg nach Osten bewegte sie sich in immer schwülere und damit energiereichere Luft hinein und es war mit einer rapiden Verstärkung zu rechnen.
Unglaublich, wie schnell dann plötzlich die Quellungen an der Vorderseite in die Höhe wuchsen, wie der Himmel förmlich zu explodieren schien. Rasch war die Sonne hinter den Wolken verschwunden und es wurde dunkler, Blitze zuckten immer häufiger. Längst erwarteten wir zumindest Vorwarnungen des nationalen Wetterdienstes, doch nichts passierte. Da uns alle der Hunger überkam, wollten wir noch schnell einen Subway aufsuchen, der in dem Ort unserer letzten Übernachtung (Wall) lag. Leider fuhren wir damit etwas zu weit nach Westen, doch unterwegs gab es aufgrund der geringen Besiedlung keine andere Möglichkeit. Unglücklicherweise kam noch hinzu, dass dieser Subway für Amerika untypisch um 21 Uhr schließen wollte und es folglich eine große Warteschlange gab. Die Zeit hatten wir nicht, also ging es doch nur in den angrenzenden Tankstellen-Shop.
Als wir schließlich wieder nach draußen kamen, schien bereits irgendetwas zu passieren, denn dort wo wir standen, wehte anfangs noch kaum ein Lüftchen, dennoch konnten wir alle ein zunehmendes Rauschen wahrnehmen. Gespannt standen wir unterm Tankstellendach, den Blick nach Südwesten gerichtet, genau in Richtung des Motels der letzten Nacht, es war bereits stockdunkel. Blitze zuckten sekündlich, als plötzlich ein Rauschen in der Ferne zu vernehmen war. Downburst! Von einer Sekunde auf die nächste setzte schwerer Sturm ein, verursacht durch kalte Luft, die rasch aus der Gewitterwolke heraus wehte. Von dem Teil des Motels, in dem wir die letzte Nacht noch geschlafen hatten, riss es auf einmal haufenweise Schindeln vom Dach. Zusammen mit anderen Bauteilen, Müll usw. fegte es der Wind über den Parkplatz gegen andere Gebäude und über die Straße hinweg. Schnell griffen wir nach unseren Videokameras und konnten noch den Rest dieses Ereignisses festhalten.
Alles ging sehr schnell, laut Meldungen erreichte der Sturm hier Spitzen bis 108 km/h. Aus Respekt vor großem Hagel brachen wir rasch wieder nach Osten auf, um zurück auf die Vorderseite zu kommen, als plötzlich übers Weatherradio sogar noch eine Tornadowarnung für eine nördliche Zelle hereinkam. Sie waren jedoch zu schnell nach Nordosten unterwegs und für uns nicht erreichbar. Im Blitzlicht konnte man zwar nach Norden eine abgesenkte Wolkenbasis erkennen, für einen Tornado hat es aber nicht gereicht. Es blitzte nun praktisch überall, etwa 3 bis 4 mal pro Sekunde! Auf unserem weiteren Weg wurden wir noch von weiteren Zellen überquert, die nördlichen wuchsen rasch zusammen und formierten sich auf dem Wetterradar bald zu einem sogenannten Bow-Echo, ein Indiz für extrem heftigen Wind.
Im Ort Philip hielten wir an. Es war schlagartig kälter geworden, durch Schäden an den Stromleitungen lag der ganze Ort im Dunkeln, es war gespenstisch. Äste lagen herum, der Sturm hielt an, Feuerwehren und ein Krankenwagen überquerten die vor uns liegende Kreuzung. Dann erst bemerkten wir, dass es gute 200 m weiter einen kompletten Truck auf die Seite gelegt hatte. Gott sei Dank nicht während der Fahrt, sondern offenbar auf einer Wiegestation. Während eines anhaltenden Feuerwerks ging es schließlich wieder zurück Richtung Interstate. Wieder mal spät und recht erschöpft, aber schwer beeindruckt, fielen wir dann irgendwann nach Mitternacht in die Motelbetten. Die Badlands sind ihrem Namen gerecht geworden. Nach einer kurzen Nacht geht es morgen weit nach Osten, dann muss die Kaltfront wieder eingeholt werden.
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