Den ganzen vergangenen Dezember und Jänner hielt sich eine kräftige westliche bis nordwestliche Strömung. Während man im gesamten Flachland und im Süden damals vergebens auf den Winter wartete, wurde die Alpennordseite mit Schnee zugeschüttet. Noch immer liegen oberhalb rund 2000 m erhebliche Schneemengen, die man für die Jahreszeit als weit überdurchschnittlich betrachten kann. Wie es mit der weißen Pracht dort nun weitergehen könnte, dazu in folgendem Blogbeitrag.
Ein Damoklesschwert in Sachen Hochwasser?
Derzeit liegen auf der Zugspitze noch 3,65 m Schnee, genau 2 m mehr und somit über das Doppelte wie ein Jahr zuvor. Der Wassergehalt des Schnees ist im Frühling bzw. Frühsommer hoch und nicht mit dem einer winterlichen Schneedecke zu vergleichen. Geht man von durchschnittlich einem Meter Schnee oberhalb 2000 m aus, so ist in diesen Gebieten immerhin eine Wassermenge von 300 bis 500 Litern pro Quadratmeter gebunden. Nun ist es aber selbst bei extremer Warmluft nicht möglich, dass diese Menge in wenigen Tagen freigesetzt wird.
Regen kommt dazu
Die Schneeschmelze in den Hochlagen alleine kann also kaum für ein Hochwasser sorgen. Am schnellsten taut der Schnee allerdings bei Regen ab, wobei sich dann das Schmelz- zum Niederschlagswasser hinzu addiert. So könnte ein eventuelles, durch Starkregen bedingtes Hochwasserereignis in diesem Frühsommer verstärkt werden. Wie weit lässt sich das absehen? Bereits in der kommenden Nacht (Donnerstag auf Freitag) erreicht ein recht intensives Regengebiet die Alpennordseite. Da die Kaltluft nur langsam vorankommt, bleibt die Schneefallgrenze auf etwa 2500 m Höhe. Das Gute daran ist, dass der Regen sich im Laufe des Freitags schon wieder abschwächt und somit zumindest die größeren Flüsse keine wirklich nennenswerten Anstiege verzeichnen. Ein weiteres, eventuell etwas längeres Regenereignis deutet sich für den Wochenwechsel an. Aus heutiger Sicht sinkt aber diesmal die Frostgrenze gegen 2000 m, so dass in den schneereichen Gebieten das Abtauen nicht so die Rolle spielen dürfte.
Verspätete Bergwandersaison
Was für Skitouren günstig war, wird nun zum Hindernis für die Besucher hochalpiner Regionen. Viele Wanderwege, die sonst zu Beginn des Sommers schon schneefrei waren, sind jetzt schwierig oder gar nicht zu begehen. Oberhalb der Waldgrenze muss man diesmal selbst im Hochsommer noch mit Schnee- und Firnfeldern rechnen, die weniger harmlos sind als sie aussehen. Der Alpenverein rechnet jedenfalls in dieser Saison mit einer erhöhten Verletzungsgefahr durch Abrutschen auf den harten und glatten Schneeflächen und warnt davor, diese ohne Hilfsmittel wie Steigeisen und Eispickel zu überqueren.
Nützt es wenigstens den Gletschern etwas?
Das ist noch nicht gesagt, denn: Für die Gletscher ist ausschließlich die Bilanz am Ende des Sommers ausschlaggebend. Die Chancen sind natürlich besser als sonst, aber ein heißer Hoch- und vor allem Spätsommer kann das zunichte machen. So blieb nach dem trockenwarmen September 1999 keine positive Bilanz für die Nordalpengletscher übrig. obwohl der voran gegangene Winter noch um einiges schneereicher war als der heurige.
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