Am kommenden Mittwoch steht ein sehr seltenes astronomisches Ereignis auf dem Programm: ein Venusdurchgang bzw. -transit. Dabei zieht die Venus als dunkler Punkt vor der Sonnenscheibe vorbei, sie verursacht also quasi eine "Mini-Sonnenfinsternis". Das nächste derartige Ereignis wird erst im 22. Jahrhundert stattfinden! Wie sieht es aber im Allgemeinen mit der Beobachtbarkeit und im speziellen mit den Wetterbedingungen am Mittwochmorgen aus?
Ein Ereignis für Frühaufsteher
Bereits gegen Mitternacht tritt die Venus vor die Sonnenscheibe, in den folgenden Stunden läuft sie langsam über den oberen Teil der Sonne hinweg. Sichtbar wird das Ereignis für uns aber natürlich erst, wenn die Sonne aufgeht, also etwa zwischen 5 Uhr (östliches Flachland, Aufgang in Wien um 4:52 Uhr) und 5:30 Uhr auf Berggipfeln des Westens. Etwa um 6:37 Uhr erreicht das Venusscheibchen von "innen" her den Sonnenrand, gegen 6:55 Uhr hat die Venus die Sonnenscheibe vollständig verlassen.
Was ist zu sehen?
Die Venus erreicht bei einem Durchgang etwa 1/30 des scheinbaren Sonnendurchmessers, von einem guten Auge wäre sie gerade so vor der Sonne als schwarzer Punkt erkennbar, wenn man denn einfach so in die Sonne schauen könnte. Allerdings gilt generell bei Sonnenbeobachtungen: Niemals mit bloßem Auge und schon gar nicht mit einem Fernglas oder Teleskop in die Sonne schauen, dies führt in Sekundenbruchteilen zu irreparablen Augenschäden! Auch eine Sonnenbrille bietet keinen ausreichenden Schutz. Sicher sind hingegen sogenannte Sonnenfinsternisbrillen, mit diesen kann man (ohne weitere Hilfsmittel) die Venus als langsam wanderndes Pünktlein beobachten. Einen genaueren Blick verschafft ein Fernglas oder Teleskop, aber nur mit speziellen Folien bzw. Gläsern vor den Linsen. Alternativ kann man die Sonne auch auf ein weißes Blatt Papier projizieren.
Der Osten ist begünstigt
Um möglichst viel vom Ereignis zu sehen, sollte man einen freien Blick zum Nordosthorizont haben. Damit ist das östliche Flachland bevorzugt, außerdem geht hier die Sonne früher auf. Wer weiter im Westen wohnt, muss sich in vielen Fällen einen höher gelegenen Beobachtungsplatz bzw. einen Berggipfel mit freier Sicht nach Nordosten suchen. Auch vom Wetter her bietet der Osten die besseren Chancen: Während sich dort nur ein paar hohe Wolken zeigen, ist im Westen schon mit dichten Wolkenfeldern einer herannahenden Front zu rechnen.
Warum so selten?
Die Venus läuft innerhalb der Erdbahn in rund 7,5 Monaten um die Sonne (Entfernung Venus - Sonne etwa 108 Mio. km, Entfernung Erde - Sonne ca. 150 Mio. km). Etwa alle eineinhalb Jahre überholt die Venus dabei die Erde (das nennt man untere Konjunktion), die 3 Himmelskörper Sonne - Venus - Erde stehen dann annähernd in einer Linie. Allerdings nur annähernd, denn die Venusbahn ist um rund 3,5° gegen die Erdbahn geneigt, somit läuft die Venus meist oberhalb oder unterhalb der Sonne vorbei. Nur wenn sich die Venus bei einer unteren Konjunktion nahe einem der beiden Schnittpunkte (Knoten) von Venus- und Erdbahnebene befindet, kommt es zu einem Venusdurchgang. Zwischen 2 Venusdurchgängen liegen abwechselnd entweder 8 oder über 100 Jahre. Da es erst 2004 einen Venusdurchgang gab, lässt der nächste bis zum Jahr 2117 auf sich warten. Wer sich also diese Gelegenheit entgehen lässt, bekommt wohl in seinem Leben keine weitere Chance.
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1 Kommentar
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Kommentar von anzama; 05.06.2012 09:49