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Bilanz zu den Unwettern am 20.6.12

21. Juni 2012

Blitze am 21.6.12

Blitze am 21.6.12

Weite Teile Österreichs erlebten am Mittwoch Gewitter mit unwetterartigen Regenfällen, lokal auch größeren Hagel und Sturmböen. Auffallend war zudem die hohe Blitzrate bei den Gewittern, die im niederösterreichischen Pernitz (Gutensteiner Alpen) sogar einen kleinen Waldbrand verursachten. Der Schwerpunkt der Gewitter lag zwischen den Nördlichen Kalkalpen und dem Oststeirischen Hügelland, sowie im Mühl- und Waldviertel. In den Abendstunden vereinigten sich die Gewitterherde zu einem großen System, das weite Teile Nordösterreichs, Bayerns und Tschechiens überdeckte.

Die Heftigkeit der Regenfälle hatte sich bereits an den Vortagen abgezeichnet. Bodennah sammelte sich über mehrere Tage hinweg äußerst feuchte und schwüle Luft, wobei die Gewitterbildung meist unterdrückt wurde. Am Donnerstag wurde der Deckel auf dem Kochtopf gesprengt und zum Teil gewaltige Energiemengen freigesetzt. Mit den vergleichsweise langsam ziehenden, zum Teil sogar ortsfesten Gewittern kamen verbreitet große Regenmengen zusammen.

Top 5 der Niederschlagsmengen 20.6.12, 12 Uhr bis 21.6.12, 08 Uhr

104,5 l/m² Hirschenkogel/Semmering (NÖ)

77,6 l/m² Mürzzuschlag (Stmk)

73,6 l/m² Kolomansberg (S)

69,1 l/m² Salzburg (S)

68,6 l/m² Straßwalchen (S)

Vereinzelt gab es Hagelkörner mit 3 bis 4 cm Durchmesser, z.B. im Murtal, am Semmering, im Waldviertel oder im Loferer Land. Sturmböen traten im Innviertel auf (Ostermiething: 83 km/h, gleichzeitig fielen 26,5 l/m² in nur 10 Minuten) sowie im oberen Mürztal (umgestürzte Bäume).

Der hohe Flüssigwassergehalt der Luft wirkte sich in der Blitzdichte aus. Häufig zuckten die Blitze im Sekundentakt, wobei ein Drittel Wolke-Wolke-Blitze und Zwei Drittel Wolke-Erde-Blitze waren. In Österreich und den Grenzregionen wurden über 150 000 Blitze innerhalb von 24 Stunden registriert (siehe Abbildung), in Österreich selbst waren es rund 100 000 Blitze. Erdblitze werden gefördert, wenn die

  • Wolkenuntergrenze wärmer als -10 Grad ist (bodennahe Quelle für unterkühltes Wolkenwasser gewährleistet)
  • Wolkenobergrenze kälter als -20 Grad ist (Bildung von Eiskernen)
  • Energie der Luft in der Schicht zwischen -10 und -20 Grad mehr als 100 Joule pro Kilogramm erreicht (kräftige Aufwärtsbewegungen, die die Ladungstrennung verursachen)

Gestern lag die Temperatur an der Wolkenuntergrenze bei über +15 Grad, und an der Obergrenze bei -50 bis -60 Grad, die Energie überstieg auch die 100 Joule pro Kilogramm. Somit waren alle Bedingungen für blitzreiche Gewitter erfüllt, was auch unsere Userfotos von uwz.at belegen (siehe unten). Blitzfotografen können sich also merken: Ist die Luft sehr warm und feucht, kommt nicht nur reichlich Nass vom Himmel, sondern auch viele Blitze.

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