Für die Jahreszeit eher ungewöhnlich zeichnet sich für kommende Nacht und speziell Samstagvormittag eine kleinräumige, aber mitunter recht intensive Tiefdruckentwicklung über Deutschland ab, die bereits heute abend über Frankreich ihren Anfang nimmt. Von der Entstehung her passt dieses Tief eher in den Winter, die Auswirkungen können jedoch durchaus sommerlicher Natur sein (Gewitterbildungen an der Kaltfront). Auch Österreich wird beeinflusst: Mit sinkendem Luftdruck stellt sich vorübergehend Südföhn ein, über den Alpen verwellt die Kaltfront zudem später und beeinflusst den Süden Österreichs mit Schauern und Gewittern.
Im Satellitenbild vom Freitag, 13.Juli, 14.00 MESZ, sind die Wolkenobergrenzentemperaturen dargestellt - je kälter, desto höher die Wolken. Die Linien zeigen das Geopotential in 500 hPa (ca. 5,5 km Höhe) an. Je dichter gedrängt, desto stärker der Wind in dieser Höhe. Im wesentlichen sieht man zwei Systeme - ein recht ausgedehntes Wolkenfeld über dem östlichen Mitteleuropa, das auch Österreich reichlich Regen beschert hat, und ein nachrückendes Frontensystem über dem Atlantik und Frankreich. Im markierten (grünen) Bereich entsteht derzeit ein sehr kleinräumiges Randtief. Es vertieft sich in den kommenden Stunden deutlich und zieht dabei auf einem flotten Windmaximum (bis zu 200 km/h in 9000 m Höhe) rasch nordostwärts.
Derzeit gehen die Wettermodelle noch dahingehend auseinander, wie niedrig der Luftdruck im Kern des Tiefs wirklich sein wird, und wo es genau entlang zieht. Je schwächer das Tief, desto nördlicher verläuft seine Zugbahn. Die meisten Modelle zeigen eine Verlagerung vom Saarland (02 Uhr MESZ) bis Brandenburg (11 Uhr MESZ) mit einem minimalen Kerndruck von 994 bis 997 hPa. Bleibt es bei diesem Szenario, so wird der westliche Alpenraum einschl. Westösterreich in den Nachtstunden von kräftigem Südföhn auf den Bergen beeinflusst. Über Süddeutschland verstärkt sich der Südwestwind allmählich und nachfolgend muss man in den Niederungen mit starken bis stürmischen Böen aus Südwest rechnen - in exponierten Lagen teils sogar mit schweren Sturmböen.

EZMWF-Modell gültig für Samstag, 08 MESZ, Windrichtung- und geschwindigkeit (Durchschnitt) in Knoten, Bodendruck (hPa)
Die Intensivierung wird jedoch erst in der zweiten Nachthälfte von Thüringen nordostwärts gerechnet: Dann zeichnen sich auch im Tiefland teils schwere Sturmböen ab, insbesondere in Zusammenhang mit lokalen Gewitterbildungen an der Kaltfront. Da von Südwesten her der Luftdruck rasch wieder ansteigt, werden die stärksten Winde rückseitig der Kaltfront simuliert. In weiterer Folge ist auch der Westen Polens von Sturm und mitunter kräftigen Gewittern betroffen.
Im Bereich des sogenannten Wolkenkopfs (der Frontbereich, an dem Warm- und Kaltfront zur Okklusion verschmelzen) fallen rund 20 bis 30 l/m² innerhalb 12 Stunden, das Hauptregengebiet erstreckt sich dabei über den Nordwesten Deutschlands. Die Kaltfront erfasst gegen Mittag auch den Norden Österreichs, ist aber zunächst noch relativ wetterunwirksam. Allerdings bildet sich in weiterer Folge ein Tief über Oberitalien, das vor allem den Süden Österreichs mit gewittrig durchsetztem Starkregen beeinflussen kann.
Wie man sieht, ist die morgige Wetterlage relativ komplex. Erfahrungsgemäß sind solche kleinräumigen Wetterentwicklungen mit größeren Unsicherheiten behaftet als ein heranziehender, großräumiger Wintersturm (z.B. KYRILL am 18.1.2007 oder EMMA am 1.3.2008). Ungewöhnlich ist sie für Mitte Juli, also in der Blütezeit des Hochsommers, aber in jedem Fall.
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