Als wären die heftigen Gewitter in den Vorwochen nicht genug gewesen, gab es am Wochenende in der Steiermark noch eine Zugabe. Zunächst sorgten am Freitagnachmittag- und abend einzelne, kräftige Gewitter für teils großen Hagel sowie schwere Sturmböen, die zahlreiche Bäume im Raum Knittelfeld fällten. Auch im Südosten hielten die Unwetter an. In weiterer Folge intensivierte sich der Regen über den Südalpen und hielt bis Samstagnachmittag an. Erst im Laufe des Abends klang der Regen endgültig ab. Überschwemmungen, Muren und Erdrutsche waren vorprogrammiert.
Die Vorgeschichte:
Vom 22. Juni bis 20. Juli, 17.00 fielen entlang und südlich des Alpenhauptkamms bereits verbreitet 180 bis 220 Liter pro Quadratmeter, in der oberen Steiermark rund um die Eisenerzer Alpen sogar 340 l/m² (Präbichl). Verursacher für die vielfach überdurchschnittlichen Regenmengen waren meist kräftige, ortsfeste Gewitter in den schwülheißen Wochen von Ende Juni bis Anfang Juli. Ist das Erdreich erst einmal vollgesogen wie ein Schwamm, gelangt jeder weitere Tropfen sofort in den Abfluss.
Radarbilder vom 20. und 21 Juli 2012 (Copyright: UBIMET/ACG):
Interpretation: Blau bis grün: leichter Regen, gelb: mäßiger Regen, rot: stark, violett bis weiß: sehr stark mit Hagel
20.7.12, 17.30 MESZ:

Am Freitagnachmittag intensivierte sich über dem Paltental eine Gewitterzelle, die nur langsam nordostwärts zog.
20.7.12, 18.30 MESZ

Bei ihrem Nordostkurs sorgte sie auch im Aflenzer Becken für heftige Regenfälle, Hagel und Sturmböen. In Thörl tötete eine Mure einen Einheimischen.
20.7.12, 20.00 MESZ

Eine weitere Gewitterlinie überquerte am Abend die Region zwischen oberen Murtal und Paltental. In Rottenmann fielen in einer Stunde 19 l/m².
20.7.12, 20.30 MESZ

Kurz darauf stürzten im Raum Knittelfeld bis zu 200 Bäume um, auch großer Hagel trat kurz darauf im mittleren Murtal auf (4cm in Badl-Peggau).
21.7.12, 01.00 MESZ

Nachfolgend verschmolzen die Gewitter über der Steiermark zu einem großem Regengebiet, streckenweise immer wieder verstärkt, wobei hier auch der Wolkenstau an den Gebirgshängen eine Rolle spielen. Die Stundensummen bewegten sich meist zwischen 5 und 10 l/m² - allerdings über mehrere Stunden hinweg. Am Samstag in der Früh gingen verbreitet Muren ab, mit der verheerendsten Mure in St. Lorenzen/Paltental, die mehrere Häuser und Autos mit sich riss und große Schlammmassen durch den Ort trug. Zu diesem Zeitpunkt zeigen die Messwerte allerdings keine beunruhigenden Stundensummen mehr, der Boden konnte nichts mehr aufnehmen.
Während der Regen am Samstagvormittag in der Steiermark langsam abklang, intensivierte er sich in weiten Teilen Kärntens - von Mitternacht bis Samstagmittag fielen verbreitet 30 bis 50 mm, mit Schwerpunkt im Klagenfurter Becken. In der südlichen Steiermark wurde unterdessen am Abend der Scheitel der Hochwasserwelle der Mur erreicht, mit 6,33 m in Graz immerhin ein Pegelstand, wie er durchschnittlich nur alle 30 Jahre vorkommt.
Die hohe Erdblitzdichte (von rund 25 000 Blitzen waren über 20 000 Erdblitze) war zudem bemerkenswert.
Top 5, Niederschlag vom 20.7.12, 17.00 bis 21.7.12, 17.00 MESZ:
- 102 l/m² Präbichl (ST)
- 91 l/m² Rottenmann (ST)
- 86 l/m² Kolm-Saigurn (S)
- 78 l/m² Aflenz (ST)
- 76 l/m² Flattnitz (K)
Noch eindrucksvoller wird es, wenn man sich die Regenmengen anschaut, die vom 22. Juni bis 22. Juli gefallen sind:
Präbichl ist einsamer Spitzenreiter mit 443 l/m², weitere 10 Orte weisen über 300 l/m² vor, 87 Orte über 200 l/m².
Mit dieser Bilanz sind auch in den kommenden Tagen und Wochen die Niederschlagsvorhersagen sehr kritisch zu beäugen, da in den betroffenen Regionen weitere Muren abgehen können. Flächiger Starkregen wie am vergangenen Wochenende zeichnet sich zumindest in der kommende Woche nicht ab, lokale Gewitter können aber erneut große Regenmengen bringen.
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