Dieses beeindruckende Zeitlupen-Video hat Tom A. Warner 2010 in Rapid City im Südwesten von South Dakota (USA) aufgenommen (Copyright: Tom A. Warner). Die Stadt liegt in den Great Plains am Ostrand der Black Hills, die für das Mount Rushmore National Memorial bekannt sind. Dort wurden die Skulpturen von vier namhaften US-Präsidenten in Fels gehauen, George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln (v.l.n.r.). Jedenfalls sind die Geat Plains für das gehäufte Auftreten schwerer Gewitter berühmt, insbesondere bei Meteorologen.
Im Video erkennt man links im Bild einen positiven Blitz, der vom stark positiv geladenen oberen Bereich der Gewitterwolke (Ambosswolke) zur Erde überspringt. Zuvor jedoch baut sich von oben herab "langsam" ein positiver Blitzkanal auf. In Wahrheit passiert alles in Mikrosekunden! Mehr dazu hier:
Nachdem die Ambosswolke die Erde durch den Blitz regelrecht mit positiven Ladungen geimpft hat, besteht dort im Vergleich zur negativ geladenen Wolkenunterseite eine große Potentialdifferenz (Spannung).
Nun wachsen von erhöhten Punkten (Video: drei Rundfunk-Sendemasten) positive verästelte Blitzkanäle (Leitblitze) vom Erdboden zur Wolkenbasis empor. Aus der Wolkenunterseite baut sich ein negativer, ebenfalls verästelter Leitblitz auf. Dieser ist jedoch kaum zu sehen.
Berühren sich beide, so kommt es (siehe Video) zu positiven, segmentartigen Entladungen „aus der Luft heraus“ in die Wolkenbasis hinein. Auch die Luftschichten unterhalb der Wolke weisen nämlich einen positiven Ladungsüberschuss auf. Teilweise leuchtet aber auch der gesamte Blitzkanal zwischen Erde und Wolke auf, dann erfolgt ein Ladungsaustausch (Ladungsausgleich) direkt zwischen Wolke und Erde, indem negative Ladungen von der Wolke zur Erde wandern und positive von der Erde zur Wolke.
Dem menschlichen Auge bleiben diese spannenden Details zu einem Großteil verborgen. Erst Hightech-Kameras, die tausende Bilder pro Sekunde aufnehmen (Video: 9000 Bilder pro Sekunde!), lüften einen Teil des Geheimnisses, das hinter den oft beängstigenden Lichterscheinungen steckt.
Um zum Schluss die Verwirrung noch perfekt zu machen, muss gesagt werden, dass die Erde bei Schönwetter vornehmlich negativ geladen ist. Erst wenn sich Gewitterwolken bilden, an deren Unterseite sich negative Ladungen befinden, sammeln sich an der Erdoberfläche als Ausgleich dazu positive Ladungen.
In Summe ist die Physik von Blitzen äußerst komplex und Gegenstand umfangreicher wissenschaftlicher Untersuchungen. Es muss also niemanden kränken, wenn er nicht alles versteht.
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