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Tropensturm NADINE wirbelt die Wettervorhersage durcheinander

17. September 2012

Tropensturm NADINE am 17.9.12, 14.00 MESZTropensturm NADINE am 17.9.12, 14.00 MESZLange Zeit war es still um den Tropensturm, zwischenzeitlich auch Hurrikan, NADINE, der auf dem Mittelatlantik entstand und auf seinem Weg nach Nordwesten kein Land bedrohte. In den kommenden Tagen verlagert sich NADINE langsam nordostwärts und beeinflusst ab Donnerstag voraussichtlich auch die Azoreninseln. Dabei zeichnen sich heftige Regenfälle und Sturm ab. Die weitere Entwicklung NADINES ist allerdings unsicher, und daran kranken derzeit auch die Mittelfristprognosen für Österreich. Denn je nach Zugbahn von (Ex-) NADINE erreicht uns am Wochenende ein weiterer markanter Kaltluftvorstoß von Nordwesten - oder es stellt sich eine ausgeprägte Südföhnlage mit spätsommerlichen Temperaturen ein.

Gemäß den Vorhersagen des NHC verlagert sich NADINE in den kommenden Tagen unter Beibehaltung ihrer Intensität langsam nordostwärts und erfasst die Azoren im Lauf des Donnerstags. Bereits jetzt zeigt der Tropensturm kein eindeutig tropisches Aussehen mehr, da die Gewitterwolken sich nicht mehr geschlossen um den Tiefdruckkern abbilden. Ein gewisser Umwandlungsprozess in ein außertropisches Sturmtief hat also schon eingesetzt, und verleiht NADINE ein asymmetrisches Aussehen. Auffallend ist derzeit auch der mächtige Cirrenschweif, der starke Winde in der höheren Atmosphäre anzeigt. Zu viel Höhenwind wirkt sich eher negativ auf die Intensität von Tropenstürmen aus, weshalb eine Verstärkung bis Freitag unwahrscheinlich ist.

Die langsame Verlagerung verursacht jedoch anhaltenden Gewitterregen, sodass im Kern des Wirbelsturms bis Samstag über 300 Liter pro Quadratmeter erwartet werden. Ausläufer überqueren die Azoren zwar nur abgeschwächt, aber 100 bis 150 Liter pro Quadratmeter innerhalb rund 48 Stunden können durchaus für Überflutungen sorgen. Die Winde betragen gemäß den hochaufgelösten Wettermodellen noch 60 bis 70 km/h im Mittel auf den Inseln aus Ost, und können in Böen noch über 100 km/h erreichen. Die Hauptgefahr wird also demzufolge eher in den großen Regenmengen liegen.

Zugbahn- und Intensitätsprognose des amerikanischen Hurrikanzentrums (Quelle: http://www.nhc.noaa.gov/)

Für Mitteleuropa und damit auch für Österreich ist NADINE insofern von Bedeutung, dass am Donnerstag vom Nordatlantik ein ausgeprägtes Höhentief nach Süden zieht, und NADINE in Wechselwirkung treten kann. Wenn dieser Fall eintritt, wird NADINE sozusagen "eingefangen" und wie mit einem Drehpendel nach Südwesten  weggeschleudert. Damit wird der Weg frei für eine nordwestliche Strömung in Europa, die deutlich kühlere und feuchte Polarluft heranführt.

Andere Modellrechnungen zeigen derzeit aber auch, dass besagtes Höhentief in Distanz zu NADINE bleibt, und sich seinen Weg bis nach Südwesteuropa bahnt. Das hätte zur Folge, dass sich über der Biskaya ein kräftiges Tiefdruckgebiet einnistet und uns auf seiner Vorderseite spätsommerlich warme Luftmassen nordafrikanischen Ursprungs über die Alpen nach Norden schickt.

Welche Version auch eintritt, ab Mitte September steigt die Wahrscheinlichkeit einer Südföhnperiode - und damit des Altweibersommers - deutlich an.

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