UBIMET-WRF für 5.10.12,19 MESZ: Bodendruck, Mittelwind und SpitzenböenNach einem windigen Donnerstag zieht am Freitag der nächste Sturm über Deutschland hinweg. Dessen Entwicklung ist mit einem Staffellauf vergleichbar: Das umfangreiche Tiefdrucksystem über dem Ostatlantik gibt an seiner Warmfront eine sogenannte "Welle" ab, die in das ebenso ausgedehnte Tiefdruckgebiet über Skandinavien eingebunden und zum kleinen, aber intensiven Sturm verstärkt wird. Dauerregen und teils kräftige Schauer an der See begleiten das stürmische Intermezzo. In Österreich bleibt es freundlich und wärmer.
Am Donnerstagabend bildet sich ausgehend von einer Warmfrontwelle über der Keltischen See ein Tiefdruckgebiet, das unter zunächst nur zaghafter Verstärkung Freitag früh die Nordsee erreicht. Im Tagesverlauf zieht es unter weiterer Intensivierung bis auf rund 995 hPa weiter zur Ostsee, sein Hauptsturmfeld wird dabei weite Teile Norddeutschlands umfassen. Bei einem Mittelwind von 60 bis 70 Knoten in etwa 1400 m im Warmsektor wird dank der stabilen Luftschichtung am Boden verhältnismäßig wenig Wind ankommen. Meist handelt es sich um Windspitzen zwischen 70 und 80 km/h, nur in den freien Lagen der Mittelgebirge (Harz, Thüringer Wald, Erzgebirge) sind über 90 km/h zu erwarten. Ein wenig anders schaut es im Nordosten aus, wo der Tiefdruckkern durchzieht und besonders rückseitig ein markanter Druckanstieg einsetzt. Laut dem UBIMET-Modell WRF (Morgenlauf) betragen die Windspitzen an der Ostseeküste und auf den Inseln deutlich über 90 km/h, an exponierten Stellen auch über 110 km/h.
UBIMET-WRF: Bodendruck (hPa), Radarreflektivität (in dBZ) für Freitag, 5.Oktober, 19.00 MESZ
Die Regenradar-Vorhersage für Freitagabend zeigt kräftige Echos (Dauerregen) an der Warmfront sowie an der Okklusion, und eine recht schmale Kaltfront, die von Brandenburg über Sachsen-Anhalt bis nach Nordrhein-Westfalen reicht, und dort in die nächste Warmfront übergeht.
Während sich die Kaltfront rasch auf die warme Seite der Frontalzone verlagert und damit unter steigenden Luftdruck und stabiler Schichtung zerfällt, treten die stärksten Böen im Okklusionsbereich des Tiefs auf, wo Höhenkaltluft für teils gewittrige Schauer sorgt, welche durch den sogenannten vertikalen Impulstransport den Höhenwind herabmischen. Bis Samstag früh ist das Tief über dem Baltikum angelangt und löst sich im Lauf des Sonntags über Westrussland auf.
Bewölkung am Freitag, 5.10.12, 19 MESZ (grün: hohe Bewölkung, braun: mittelhohe, blau: tiefe Bewölkung)
Die Bewölkungsvorhersage des Lokalmodells zeigt anschaulich die zurückgebogene Okklusion über Skagerrak und Kattegat, die Warmfront über Polen und die Kaltfront über dem mittleren Deutschland. In der Höhe schiebt sich bereits die hohe Bewölkung der nachfolgenden Warmfront vom Ärmelkanal her darüber.
In Österreich macht sich der Wind vor allem auf den Gipfeln der Nordalpen bemerkbar, etwa am Feuerkogel oder auf dem Schneeberg - dort sind schwere Sturm- oder sogar Orkanböen nicht ausgeschlossen. In den Niederungen wird der Wind dagegen erst am Abend und in der Nacht auf Samstag ein Thema. Da es die meiste Zeit sonnig bleibt, und der Wind eher aus westlichen Richtungen kommt, treten die höchsten Temperaturen voraussichtlich am Alpenostrand auf, wo föhniger Südwest- bis Westwind Spitzenwerte bis 25 Grad möglich macht. Obwohl wir uns damit rund 10 Grad über dem Klimamittel (71-00) bewegen, sind derartige Maxima kein Einzelfall: Am 1. Oktober 2011 wurden am Alpenostrand bis zu 27 Grad gemessen, allerdings unter kräftigem Hochdruckeinfluss.
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