Leewolke nördlich des Hauptkamms, Sonne im SüdenIn vielen Lehrbüchern wird bei Föhn in den Alpen Bewölkung im Luv (der windzugewandten Seite) und strahlender Sonnenschein im Lee (der windabgewandten Seite) dargestellt. In manchen Fällen ist es jedoch anders herum: Im Süden scheint zeitweise die Sonne, im Norden dominieren dagegen die Wolken. Diese scheinbar paraodoxe Wolkenverteilung trat zuletzt am Mittwoch, 26. September 2012, auf. In diesem Blog-Eintrag wird erklärt, warum man sich bei Südföhn nicht immer auf eine sonnige Alpennordseite verlassen kann.
Während am Dienstag, 25. September, noch das klassische Bild mit viel Sonnenschein an der Alpennordseite und Stauwolken an der Alpensüdseite vorherrschte, sorgte der Mittwoch vielfach für Verwunderung bei vielen Berggehern, die sich aufgrund der Südföhnprognose auf perfektes Wanderwetter eingestellt hatten. Stattdessen war es in einem Streifen vom Alpennordrand bis zum Alpenhauptkamm oft bewölkt, örtlich fielen sogar ein paar Regentropfen aus den dichten Wolkenfeldern. Dazu wehte zwar teils kräftiger Südföhn, der sich aber mangels Sonnenschein längst nicht so warm anfühlte.
Handskizze und Bilder zu stabiler und instabiler FöhnströmungDie folgende Handskizze und Beispielbilder verdeutlichen die Wettersituation an beiden Tagen:
Am Dienstag sank die Föhnströmung im Lee ab und verursachte damit Wolkenauflösung und Sonnenschein. Je stabiler zudem die Luftschichtung, desto häufiger die Schwingungen der Föhnströmung. Jeweils beim Aufsteigen der Strömung kondensiert die Feuchtigkeit zu Wolken und verdunsten im Abstieg wieder. Die Folge sind die für Föhn so charakteristischen Linsenwolken, im Fachjargon Altocumulus lenticularis und ugs. Föhnfische genannt. Bei einer solchen Konstellation hat man im Süden eher Wolken, mitunter auch etwas Regen, und im Norden das sonnige Wetter mit sehr guter Fernsicht.
Am Mittwoch verstärkte sich die Föhnströmung bei einer im Luv instabilen und im Lee nur schwach stabilen Luftschichtung. Bei instabiler Schichtung bilden sich eher Regenschauer, zeitweise kommt dann auch die Sonne hervor. Bei schwach stabiler Luftschichtung verringert sich die Anzahl der Schwingungen der Föhnströmung. Ihre Wellenlänge vergrößert sich und bildet eine flächige Wolke, die berüchtigte Leewolke. Sie erstreckt sich meist in mittelhohen Schichten, etwa zwischen 4 und 7 km Höhe. Im aufsteigenden Ast der Föhnströmung kann - genügend relative Feuchte vorausgesetzt - sogar Niederschlagsbildung einsetzen. Der Niederschlag fällt dann allerdings in die trockene Föhnluft und verdunstet großteils. Leewolken verharren gemeinerweise oft stundenlang am selben Fleck, wenn sich Anströmung und Strömungsgeschwindigkeit nicht ändern.
Am Mittwochnachmittag wurde die Luftschichtung im Lee immer instabiler, die Schauer griffen auf die Alpennordseite über. Über dem Kraxenkogel (Radstädter Tauern) hielten sich dennoch die typischen, an der Wolkenoberseite abgeflachten Föhnwolken, am Tappenkarsee wehte dagegen Föhn mit Sturmstärke. Der Wind wird zusätzlich verstärkt, wenn Niederschlag in die Föhnluft fällt (Verdunstungskälte und Abwärtsbeschleunigung).
Föhnsturm am Tappenkarsee (Radstädter Tauern)
Die Bilder (mit Ausnahme des linken Bildes in der Skizze) und das zugehörige Video stammen vom Tappenkar im hinteren Kleinarltal (Pongau) in den Niederen Tauern, weiter südlich beginnen bereits die Hohen Tauern.
Abschließend das Video, gedreht auf dem Schiereck (2366m) oberhalb des Tappenkarsees am Mittwochvormittag:
Es zeigt die tiefen Wolken von der Alpensüdseite über die Ankogel- und Glocknergruppe nach Norden übergreifen. Darüber ist der Himmel aufgelockert oder sogar wolkenlos. An der Alpennordseite dominiert hingegen kompakte Bewölkung durch die Leewolke, erst Richtung bayrisches und oberösterreichisches Alpenvorland ist wieder blauer Himmel zu erahnen. Beeindruckend ist vor allem die scharfe Wolkenkante, die sich exakt entlang des Alpenhauptkamms von West nach Ost erstreckt.
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1 Kommentar
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Kommentar von nikzimm; 07.10.2012 14:49