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Wetterbedingte Bergunfälle - Tipps zur Vermeidung

16. Juli 2013

Besonders in diesem Jahr geschehen ungewöhnlich viele Bergunfälle, die in vielen Fällen mit schweren oder tödlichen Verletzungen enden. Die häufigste Todesursache ist Selbstüberschätzung, gefolgt von Witterungseinflüssen. Wir beleuchten die wetterbedingten Ursachen genauer und geben Tipps, wie man sich vor unangenehmen Überraschungen am Berg schützen kann.

Die meisten Unfälle geschehen beim Abstieg, mit mangelnder Konzentration, unsicherem Gehen (etwa in Folge von Dehydrierung bei starker Hitze und Sonneneinstrahlung) und bei ausgesetzten Hangquerungen. Herzinfarkte betreffen meist ältere Personen, sonst ist jedes Alter vertreten - auch erfahrene Bergwanderer zählen zu den Opfern.

Viele Altschneefelder

Das nasse und relativ kühle Frühjahr hat die Altschneefelder in Lagen oberhalb von etwa 2300 m bis weit in den Sommer hinein konserviert. Schneereste in Mulden und Rinnen stellen bei Hangquerungen nach wie vor eine erhöhte Absturzgefahr dar. Festes Schuhwerk, Stecken, mitunter Grödeln oder Steigeisen, sind je nach Verbreitung der Schneefelder hilfreich. Genauere Informationen erhält man telefonisch bei der nächstgelegenen Hütte, beim Alpenverein oder über aktuelle Tourenberichte im Internet.

Der Mythos vom "überraschenden Schlechtwettereinbruch"

Immer wieder hört man, dass Wanderer oder Mountainbiker "vom Gewitter überrascht" wurden. Jedoch lassen sich abseits von lokal begrenzten Wärmegewittern Wetterumschwünge recht gut vorhersagen. Am größten ist das Gewitterrisiko am Nachmittag und Abend, weshalb es sich gerade im Hochsommer empfiehlt, möglichst zeitig aufzusteigen. Wenn bereits am Vormittag Gewitter durchziehen, ist die Atmosphäre zudem so instabil, dass jederzeit weitere Gewitterschauer niedergehen können. In diesem Fall sollte man die Wanderung verschieben oder auf der Hütte bleiben. Zudem macht die Nässe sonst harmlose Gratwanderungen gefährlich rutschig.

Verhaltensregeln bei Gewitter

Um sich vor Blitzschlag zu schützen, sind exponierte Kuppen, Grate oder freies Gelände zu meiden. Keinesfalls sollte Schutz unter Bäumen gesucht werden. Ist keine Schutzhütte oder Höhle in der Nähe, hilft nur eines: Metallgegenstände weit weg vom Körper und sich am Boden dicht zusammenkauern (um die sogenannte Schrittspannung zu verringern). Neben der Blitzschlaggefahr können sich sonst trockene Bachbette rasch in reißende Ströme verwandeln, auch Muren sind möglich.

Im Zweifelsfall umdrehen

Viele Bergunfälle ließen sich verhindern, wenn die Touren sorgfältig - und den eigenen Fähigkeiten entsprechend - geplant würden. Rücksichtnahme auf das schwächste Mitglied einer Gruppe hat oberste Priorität, im Ernstfall sollte die Tour abgebrochen werden, bevor man sich und die Mitwanderer in Lebensgefahr bringt, etwa bei zu starker Hitze oder bei heiklen (ausgesetzten) Querungen oder Klettereien. Zudem kann bei schlechter Sicht (Nebel) oder starkem Wind kein Hubschrauber zu Hilfe kommen, die widrigen Bedingungen bringen dann auch die Bergretter in Gefahr.

An allererster Stelle steht immer noch der Spaß beim Wandern. Eine abgesagte Tour ist halb so wild, denn die Berge zeigen im Allgemeinen ein nur geringes Fluchtverhalten.

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